Ein Tag zwischen vollem Leben und Tod.
Nach dem Frühstück war ich in Pashupatinath, einem der heiligsten Orte Nepals, direkt am Fluss Bagmati. Hier, an den Ghats, finden die offenen Feuerbestattungen statt, da werden Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt und ihre Asche dem Fluss übergeben. Davor werden die Füße des Leichnams gewaschen und man nimmt mit viel Blumenschmuck Abschied. Ich habe tatsächlich eine Verbrennung miterlebt, und das hat mich schon sehr berührt. Daneben sah ich auch symbolische Feuer, im Moment sehr häufig für die Opfer der Flutkatastrophe, wie mir ein Guide erzählte, der mich spontan an die Hand nahm und zwei Stunden lang durch diesen besonderen Ort führte. Ehrlich gesagt, weiß ich aber noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finde, dass es auch ein sehr touristischer Ort ist.
Zwischen all dem, oder viel mehr gegenüber, sitzen die Sadhus, heilige Männer, die ihr Leben ganz der Entsagung und dem Gott Shiva gewidmet haben. Mit ihren orangeroten Gewändern, den bemalten Gesichtern und den langen Filzhaaren wirken sie fast ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Irgendwie war das heute ein Ort voller Leben und Tod zugleich.
Dann haben mir Frauen Zeichen auf die Stirn gemalt und mir Blumen über den Kopf gestreut, ein Punkt gilt im Hinduismus als Sitz des „dritten Auges“, also der inneren Wahrnehmung, Lebenskraft, Liebe, das Göttliche in dir… Es war ein ganz besonderer Vormittag.
Der Nachmittag hatte dann wieder eine witzige und erstaunliche Wendung. Ich bin nach Pokhara geflogen. Die Busstrecke ist wegen der Flut, vor einigen Wochen, gesperrt. Der Bus würde auch ca. 8 Stunden brauchen, weil die Straßen so schlecht sind, der Flug dauert 25 Minuten. Ich habe am Vortag das Ticket gebucht, das ging auf der Plattform von BuddhaAir nur semi gut, so habe ich zwar eine Zahlungsbestätigung erhalten aber keine Flugbestätigung. Nach einem Anruf meinten sie, ich soll einfach kommen. Das habe ich dann gemacht und da wurde mir mitgeteilt, dass alle Flüge (und sie fliegen fast stündlich) ausgebucht sind. Ich habe dann ganz traurig geschaut und zwei Mitarbeiter von der Airline haben dann echt alle Hebel in Bewegung gesetzt, da wurde telefoniert, gemailt, gefunkt – unglaublich dieser Einsatz. Einer ging dann mit mir durch alle Kontrollen und alle anderen Passagiere überholend 🤭 stand ich dann tatsächlich mal am Schalter. Wo ich aber wieder lange warten musste um dann ein Ticket per Mail für 18 Uhr zu erhalten, da war es 14:30 Uhr. Ich dachte mir dann, ok, gut ich mag eh Flughäfen, dann arbeite ich eben ein bisschen.
Man muss sich vorstellen, dieser Inlands-Flughafen ist sehr klein aber hektisch weil sehr viele Menschen diese kurzen Strecken fliegen – die Aufgabe-Gepäcksstücke werden mit roten Scheibtruhen (tatsächlich, es gibt ein Foto in der Galerie!) zum Flugzeug transportiert – nix Förderband oder so 😅.
Plötzlich um 15:10 Uhr hieß es ich muss mein Gepäck sofort aufgeben, weil Boarding schon läuft und ich in diesem Flieger einen Platz habe. Dann bin ich hald mal los, durch alle Kontrollen durch und zum Gate 5 (von 6 😉) – dort angekommen schreit mir schon einer von Weitem zu „Sandra, come on, come on…“. Das mein Aufgabe-Gepäck auch noch in diesem Flieger landet war erstaunlich und deshalb möglich, weil dieser eine Typ der mir schon zugerufen hat, mich in den kleinen Bus (mini-Bus) zum Rollfeld gesetzt hat, mir einfach mein ganzes Gepäck direkt mit auf den Weg gegeben hat. Ich habe quasi selber meinen großen Koffer in den Flieger gebracht. Herrlich…
Flugzeug rappelvoll, letzter Platz ganz hinten und schon sind wir abgehoben, 25 Minuten später wusste ich von meinem Sitznachbar die halbe Lebensgeschichte, da er mit mir seine ganzen Fotos am Handy der letzten Jahre durchgegangen ist. Er wollte mich dann zum Hotel fahren, aber das hatte ich ja noch gar nicht gebucht – er konnte nicht wissen, das sich äußerst flexibel reise 😅. Mittlerweile habe ich ein Hotel, man hat hier eh die Qual der Wahl.
Also, Pokhara – hier bin ich nun und ich bin gespannt, was die nächsten Tage so bringen.
