Ganga Tamang – Teppichknüpferin
Meine 11. Teilnehmerin ist eine ganz Besondere. Alle meine Werk.Würdigen Teilnehmerinnen sind besonders, aber diese hat mich nach Kathmandu in Nepal geführt. Ihr Handwerk ist schon für sich sehr beeindruckend — aber die Umstände, unter denen diese Frauen arbeiten und leben, haben mich sehr berührt, weil sie für uns in Wahrheit unvorstellbar sind.
Als ich Mitte Mai den Flug gebucht habe, hatte ich eine Vision. Ich wollte unbedingt ein Handwerk in Nepal zeigen. Durch viele Zufälle und Umstände kam es kurz vor meinem Abflug tatsächlich zu einem Kontakt, der mir das ermöglicht hat.
Wie es dazu kam, kann man hier nachlesen: durch-die-linse.at/nepal-10-september-2026
Ich durfte also Ganga Tamang nördlich von Kathmandu in der Teppich-Fabrik besuchen. Sie ist meine Teilnehmerin und steht stellvertretend für alle Frauen dort. Ganga ist 66. Seit 2002 knüpft sie hier, seit die Fabrik gebaut wurde, ist sie dabei, von Anfang an. Über zwanzig Jahre.
Vor einiger Zeit hatte sie Krebs. Heute ist sie geheilt, aber in Kathmandu springt keine Versicherung ein, wie bei uns. Was die Heilung gekostet hat, musste sie selbst bezahlen.
Ihr Handwerk ist überwältigend. Ich durfte die Teppiche angreifen, die Qualität ist unfassbar. Das Muster liest sie von einem Plan ab, jedes Kästchen ein Knoten. Mir ist schon vom Hinschauen ganz schwindlig geworden, und sie macht das seit über zwanzig Jahren!!
An einem einzigen Teppich knüpft sie oft ein ganzes Monat. Auch an dem, an dem sie gesessen ist, als ich da war, ungefähr ein Monat Arbeit. Irgendwann liegt so ein Teppich in einem europäischen Wohnzimmer. Für diesen Teppich bekommt Ganga umgerechnet rund 90 Euro. Das musste ich erst einmal sacken lassen.
Und dann die Umstände, unter denen die Frauen dort leben: ein gemauerter Raum, ein paar Quadratmeter, eine Wellblechtür, ein Wellblechdach. Eine Kochnische. Und in so einem Raum lebt oft nicht eine Person allein, oft eine ganze Familie, manche zu viert, manche bis zu sechst. Gewaschen, gekocht, gelebt wird gemeinsam, für uns in Mitteleuropa einfach nicht vorstellbar.
Wie sie ihr Handwerk gelernt haben? Learning by doing. Die meisten sind als ganz junge Menschen aus ihren Dörfern nach Kathmandu „geflüchtet“ — in der Hoffnung auf Geld und ein besseres Leben. Kaum jemand ist zur Schule gegangen, und vor allem die Frauen durften gar keine Bildung bekommen. Um die Jahrtausendwende war die Teppichknüpferei hoch im Kurs, in den vielen Fabriken fanden sie Arbeit und lernten das Knüpfen durch Zusehen und Selbermachen. Ganga erzählt, dass sie damals um 4 Uhr früh aufgestanden ist und bis 23 Uhr gearbeitet hat, mit vielleicht einer Stunde Pause. Erst später, vor allem in dieser Fabrik, wurde die Arbeitszeit zumindest auf etwa 20 Uhr verkürzt, mit drei Stunden Pause zum Kochen und Essen.
Und heute? Das Handwerk stirbt langsam aus. Seit rund zehn Jahren hat auch diese Fabrik große Schwierigkeiten, genügend Aufträge zu bekommen. Die Frauen gehen inzwischen oft in andere Fabriken, um überhaupt etwas zu verdienen. Vor allem die maschinelle Fertigung macht es immer schwerer, in diesem Bereich noch ausreichend Arbeit zu finden.
Entstanden ist das alles gemeinsam mit einer österreichischen Organisation. Fabrik und Schule gehören zusammen: Die Fabrik ist ein Unternehmen und gibt den Frauen Arbeit, die Schule ist ein Hilfsprojekt und gibt ihren Kindern Bildung. Der Ursprung war der Gedanke, dass die Kinder der Arbeiterinnen und Arbeiter dieser ersten Teppichknüpferei Nepals ein Recht auf Bildung haben, frei von Kinderarbeit. Genau die Bildung, die diese Frauen selbst nie bekommen durften.
Mittlerweile sind aber viele andere Kinder auch in der Schule, die es nicht so leicht im Leben hatten. Ich habe an diesem Tag auch die Schule besuchen dürfen und es war emotional und überwältigend.
Wer möchte, kann die Schule unterstützen. Jeder gespendete Euro fließt zu mehr als 95 % direkt in die Bildung der Kinder, damit sie lernen dürfen: nepal-entwicklungshilfe.at
Und wer mehr über die Fabrik und die Teppiche erfahren möchte: Meldet euch gern beim Schulprojekt, der Kontakt zum Projekt- und Fabriksleiter ist unten hergestellt. 👇














