Was bleibt eigentlich, wenn die Reise vorbei ist?
Dieses Mal ehrlich gesagt sehr viel. Und manchmal braucht es noch ein paar Worte mehr. Ich hatte, als ich heimgekommen bin, ein paar Tage später die schöne Möglichkeit mit Binita und Valerie zu essen – sie haben für mich nepalesisch gekocht 😄.
Und es waren sechs Stunden die mich wieder sehr demütig gemacht haben. Unabhängig davon, dass das Essen einfach fantastisch war, waren vor allem unsere Gespräche sehr interessant, inspirierend, augenöffnend und bewusstseinserweiternd.
Und es braucht diesen Nachtrag deswegen, weil die Welt erfahren „muss“ (wohlwissend, dass die ganze Welt diesen Beitrag nicht lesen wird 😉), erstens wie schön dieses Land ist, welch schöne Werte die Nepalis haben und zweitens auch unter welchen Umständen sie versuchen genau das nicht zu verlieren.
Man muss sich einmal vorstellen, viele junge Nepalis verlassen das Land, viele Richtung Dubai um Arbeit zu finden. Und werden dort auf eine Art und Weise ausgebeutet, das ist einfach erschütternd. Jetzt weiß ich noch viel mehr, warum mich, und es war nur eine Zwischenlandung, Dubai so abscheulich abgestoßen hat. Unter anderem deswegen konnte Dubai sich in einer Art und Weise erschaffen, das natürlich seinesgleichen sucht, aber auf Kosten der Billigkräfte aus Nepal. Binitas Bruder war sechs Jahre dort und seine Geschichten sind furchteinflösend für mein Menschenbild.
Nepal hat so unglaublich weltoffene Werte, obwohl sie zum Großteil nie ihre Grenzen verlassen, obwohl sie aus unserer westlichen Sicht nicht auf die Butterseite gefallen sind. Ich reise schon seit ich 17 bin, war auf jedem Kontinent und in weit über 40 Länder dieser Welt… es hat mich zu diesem weltoffenen Mensch geformt der ich heute bin. Und die Menschen in Nepal sind es, weil sie es einfach sind UND weil sie es nicht verlernt haben. Das hat mich beeindruckt.
Binita hat von ihrer Kindheit erzählt, wie sie aufgewachsen sind und erzogen wurden. Ein Satz haftet an mir. Sie erzählte, dass es in Nepal ganz selbstverständlich ist, Kindern zu sagen, sie könnten ruhig auf einen fremden Menschen zugehen. Nicht mit: „Pass auf, das ist ein Fremder.“
Sondern mit einem Satz, der einfach tief berührt: „Geh ruhig hin, das ist ein Mensch wie du.“ Da steckt doch alles in diesen Worten, kein „fremd“, kein „anders“, kein Grund Abstand zu halten. Sondern zuerst einmal die Gemeinsamkeit: Wir sind beide Menschen.
Ich habe irgendwie alles erzählt, was ich erlebt habe, aber es ist dieses Mal viel mehr was hängen bleibt und mich geprägt hat (in dieser kurzen Zeit nämlich). Und ich reflektiere gerade natürlich auch unser Leben hier in Österreich. Wie gehen wir miteinander und mit Fremden um? Warum orientieren wir uns soviel im Außen und vergleichen uns ständig? Die Antwort des Mönchs, als ich ihn gefragt habe, was er den uns Westlichen mitgeben würde: „verbringt mehr Zeit mit euch selbst und seid mal still und orientiert euch nicht so sehr im Außen“ – wie Recht er doch hat.
Kathmandu war so laut, soviel Verkehr, alle hupen, die ganze Zeit, es gehört zur Kommunikation im Straßenverkehr, weil die Straßen so eng sind und sie auf sich aufmerksam machen müssen. Und ich hatte dabei so eine innere Ruhe, das war so erstaunlich – es hat mich null gestresst.
Und es hat alles begonnen mit dem Besuch in dieser besonderen Schule und in der Teppichfabrik. Und dann ging irgendwie (ohne Plan) einfach alles Hand in Hand – weil dieses Land es möglich macht.
Binita und Valerie sind für mich ein bisschen Sinnbild dafür, dass es nicht viel braucht, um in der Welt etwas Gutes zu tun. Valerie, die mit 18 Jahren nach der Matura nach Nepal geht und als Freiwillige in dieser Schule arbeitet und somit ihren Stein ins Rollen brachte und den von Binita und den von vielen anderen auch. Manchmal braucht es einfach nur diesen einen mutigen Moment, wo man eine Entscheidung trifft.
