… weiterhin keine Berge in Sicht
Es sind weiterhin keine Berge in Sicht und ich übe mich in buddhistischer Gelassenheit, es ist wie es ist, wenn man in der Monsunzeit nach Nepal fliegt. Es würde mittlerweile einem Lottosechser gleichen, den Himalaya wirklich zu sehen. Eine winzige Bergspitze habe ich an meinem ersten Morgen in Pokhara gesehen. Aber die Wolken wickeln sich magnetisch jeden Tag um die 7- und 8tausender, die ich eigentlich hier sehen könnte.
So versuche ich jeden Tag das Beste zu machen und zu akzeptieren, dass ich zum Trekking einfach nochmal herkommen muss 😄.
Gestern habe ich gelernt MoMos zu machen, ganz privat in der Küche einer Nepalesin, das war so nett. Erstens ist das ein sehr aufwendiges Gericht und zweitens ein sehr, sehr leckeres und man hat viel Zeit zum Reden. Ihr Mann kam dann nach Hause und wir drei haben zusammen gegessen – ich mein, wie nett ist das denn.
Heute hat eben dieser Ehemann für mich eine Tour organisiert, weil ich ja so traurig war, dass ich die Berge nicht sehe und auch das Trekking ins Wasser fällt – ich mein, ich könnte schon, aber zu 95% würde ich einfach nichts sehen. Und nur des Wanderns wegen, nein… bei aller Liebe 😅.
Also bin ich heute mit einem Guide zu zwei Dörfern gefahren, Astam und Hemjakot, auf ca. 1.600 Metern. Das sind sogenannte Homestay-Dörfer – hier nehmen Familien Reisende bei sich zu Hause auf und bekochen sie, man taucht also wirklich in ihren Alltag ein. 13 km sind wir von Dorf zu Dorf gewandert, ich konnte in nepalesisches Leben abseits der Stadt eintauchen und wieder gemeinsam mit einer Familie essen – frisch gekochtes Dal Bhat, richtig, richtig schön. Die leben fast autark hier, jede Familie hat Land, wo sie alles Mögliche anbaut. Sehr viele Reisfelder, terrassenartig angelegt. Vielleicht ist es genau das, was ich hier erleben darf, das Zusammentreffen mit Menschen aus einer anderen Kultur…
Ob es die Schüler und Schülerinnen gleich zu Beginn waren, oder die Frauen in der Teppichfabrik, das Gespräch mit dem jungen Mönch oder heute das sehr persönliche Eintauchen in das nepalesische Dorfleben.
Mit meinem Guide habe ich über die globale Erwärmung gesprochen, Nepal ist fast unschuldig neben den Big Playern China und Indien mittendrin in den Auswirkungen – aus seiner Sicht. Auch das Unglück vor einigen Wochen in Langtang ist der Output der schmelzenden Gletscher. Wir haben über Politik geredet, sie haben seit 6 Monaten eine neue Regierung und hoffen sehr auf den neuen jungen Premierminister. Auch Nepal war von Korruption in den letzten Jahren nicht gefeit.
Während wir im zweiten Dorf noch eine Runde gedreht haben und auf einen View-Point gegangen sind, wo man die ganze Annapurna-Kette aufgefädelt gesehen hätte, würden sich die Wolken nicht so narrisch an die Berge kuscheln 😔😮💨 – ja, währenddessen hat die Wasserbüffelkuh ihr Junges bekommen.
Und ja, heute hieß es zum ersten Mal: Toilette mit Loch im Boden, in den Dörfern gibt’s da kein Ausweichen. 😅. Das alles sieht man auf den Fotos in der Galerie.
