Johanna de Hoop – Geigenbaumeisterin
Meine neunte Werk.Würdige Teilnehmerin führte mich nach Altmünster am Traunsee, in die Werkstatt von Johanna de Hoop. Es war mir eine große Ehre, ihr bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen.
Ein Großteil ihrer Arbeit sind Auftragsarbeiten. Bevor überhaupt ein Stück Holz in die Hand genommen wird, will Johanna ihre Kundin oder ihren Kunden erst richtig kennenlernen: Wie spielt diese Person, was braucht ihr Ton, ihr Charakter? Erst dann weiß sie, welches Holz und welcher Weg zur richtigen Geige führen. Da steckt nicht nur Handwerk drinnen, sondern ganz viel Persönlichkeit der Menschen, für die sie baut.
Es ist schon sehr cool, wie aus einem großen, rohen Stück Holz ganz langsam die schöne, leicht bauchige Form entsteht, mit kleinen Hobeln, Schritt für Schritt, bis die Wölbung passt. Viele ihrer Aufträge sind auch Servicearbeiten, denn eine Geige lebt, und die gehört einmal im Jahr serviciert.
Ihr Weg dahin war eine Geschichte für sich. Nach der Schule machte sie beim AMS einen Berufsinteressenstest: Orgelbau oder Tierpräparatorin ;-). Sie entschied sich für den Orgelbau, lernte ihn bei einem Unternehmen in Scharnstein und baute dabei sogar einmal zwei Monate lang in Taiwan an einer Orgel mit. Musik hat sie schon immer begleitet, aufgewachsen in einer musikalischen Familie, über die Blockflöte zur Geige, später Horn, Bratsche, Gesang und Jodeln. Nach acht Jahren im Orgelbau führte sie ihr Weg schlussendlich doch zur Geige, an die Geigenbauschule Mittenwald in Bayern.
Über eine Werkstatt in Linz bei Geigenbaumeister Franz Übelhör und die Ausbildung in der Restauration bei der Wiener Geigenbaumeisterin Gerlinde Reutterer sammelte sie weiteres wertvolles Wissen. 2016 legte sie in Wien die Meisterprüfung ab, unterrichtete kurz darauf selbst in Mittenwald und ist seit 2020 mit ihrer eigenen Werkstatt in Altmünster selbstständig. Man merkt ihr an, wie sehr sie diese Selbstständigkeit liebt.
Immer wieder gelangen auch bedeutende historische Instrumente in die Werkstatt, deren Herkunft und Wert zunächst sorgfältig überprüft werden. Dabei schlüpft sie erstmal in die Rolle einer Gutachterin. Mithilfe alter Nachschlagewerke untersucht und studiert sie jedes Instrument bis ins kleinste Detail. Sie vergleicht die Form der Schnecke, den Umriss und die Kurven des Korpus, die Ausführung der Ecken, die Gestaltung der ff-Löcher, die Wölbungen von Decke und Boden und viele weitere feine Merkmale.
Zum Schluss richtet sich ihr Blick auf den Geigenzettel (sofern vorhanden) der jedoch nur eines von vielen Indizien für die Herkunft eines Instruments darstellt.
2021 wurde sie für den Bau einer Viola mit dem zweiten Platz beim Oberösterreichischen Handwerkspreis ausgezeichnet.
Was mich an Johanna besonders beeindruckt hat: wie viel Persönlichkeit am Ende in ihren Instrumenten steckt. Es gehört so viel mehr dazu, als „nur“ eine Geige zu bauen. Und richtig cool war es auch, sie am Ende selbst spielen zu hören.
Für mich eine weitere Frau, deren Handwerk und Geschichte perfekt zu Werk.Würdig passen.
www.dehoop.at
Hasenau 18/C32
4813 Altmünster
+43 664 569 48 14
geigenbau@dehoop.at


















